aus Walliser Jahrbuch 2016 - Seite 85 und 86

Annelies Benelli-Bättig :Inspiration Landmauer, Mischtechnik, 2010
Annelies Benelli-Bättig :Inspiration Landmauer, Mischtechnik, 2010

Annelies Benelli-Bättig

Annelies Benelli

Die Landmauer Gamsen soll zwischen 1352 und 1355 errichtet worden sein. Für diese Datierung gibt es allerdings keine Beweise, aber die Archäologen können belegen, dass diese "Letzi"-Mauer ein Bau aus dem 14. Jahrhundert ist. Es soll sich um eine der letzten Wehrmauern dieser Art in der Schweiz handeln. Was man von der Mauer sieht und was saniert wurde, hat eine Länge von etwa 900 Metern. Wegen Überflutungen durch den Bergbach Gamsa und wegen der Bewässerung schüttet sich das Land pro Jahr ungefähr um 10 cm auf und dies ist der Grund, weshalb nun bloss der obere Teil der "Landmüüra" ersichtlich ist. Die totale Höhe hat im 14. Jahrhundert zirka 10 Meter betragen. Geschichtliche Hintergründe sind im Internet unter anderem in einem sehr interessanten Film auf YouTube abrufbar: www.landmauer.ch. Diese Erkundung ist sehr empfehlenswert und äusserst spannend für jung und alt! Eine "Inspiration Landmauer" lohnt sich alleweil. Die Landschaft der Mauer entlang ist Natur pur, sie lässt Phantasien beflügeln, Menschen neugierig werden, Erlebnismomente suchen, die Liebe zur Vergangenheit wecken, Lebensweisen rekonstruieren. lm alten Dorfteil von Gamsen mit seiner "Landmüüra" wurden schon etliche private Besucher aus der "Üsserschwyz" begeistert. Es ist dies ein manchmal recht belebter, lebendiger und deshalb behaglicher Ort.

Nationale Bedeutung

Inspiration Landmauer

Rund um die Landmauer Gamsen herum ist Natur nicht bloss Nutzen und Profit! Hier ist Natur gleich Kultur. Und wie überall, ist Kultur etwas Vornehmes und das, was von der Zivilisation übrigbleibt. Was zur Abwehr gegen die Franzosen, genau genommen gegen die Savoyarden gebaut wurde, diente zu Zeiten von Kaspar von Stockalper als Schutzdamm gegen die grassierende Pest. Dies wieder schafft Verbindung zum Tourismusstädtchen Brig und zur Zeit des Barock. Brig ist Barockstadt, Gamsen ist Mittelalter, beides verbunden und zu Fuss, auf dem Rücken eines Pferdes, mit dem Fahrrad oder Auto erreichbar. Wie viele Städte können mit einem Naherholungsgebiet in solcher Nähe Staat machen? Sogar die öffentlichen Verkehrsmittel machen die Geschichte der Landmauer, den historischen Pfad auf dem beschilderten Kulturweg zum Greifen nah! Luzius Theler hat in einer Kolumne im WB im Jahre 2005 gefragt, warum es den Österreichern gelingt, "jede völlig hundsgewöhnliche Passstrasse zu einer Erlebnisstrasse, oft allerdings mit einer Maut gekoppelt, zu vermarkten?"  Wir wollen "d Landmüüra" nicht mit einer Benutzungsgebühr begehbar machen, aber das Interesse an ihr wecken. Das lokale Engagement hat sogar bei der "Zunft Letzi" in Zürich, der Name verpflichtet, Gehör gefunden - ein schöner Akt freundeidgenössischer Solidarität! Ist dieses Befestigungswerk doch ein Denkmal von nationaler Bedeutung!

"D Landmüüra" beleben!

Dieser Beitrag mag ein Aufruf an die Lehrerschaft, Kindergärtnerinnen usw. sein - Dokumentationen sind reichlich vorhanden! - dann an Theatermacher - die Freilichtarena eignet sich für kleinere Aufführungen und sanitäre Anlagen sind vor Ort - die Umgebung dieser "Letzi" zu beleben. Geschichtsträchtige Kostüme könnten so auch ausserhalb der Fastnachtszeit zur Schau gestellt, Talente gezeigt und gefördert werden. Die gewesenen Basteien und Tore erscheinen plötzlich wieder in der Inspiration. Die Mauer war anno dazumal begehbar und an einigen Stellen sind Treppenstufen, welche auf den Durchgang zu den Zinnen führten, wieder rekonstruiert. Es soll vom Spital Brig aus eine sogenannte "Herzroute" für Herzpatienten geben: Warum nicht den Weg nach Gamsen wählen? Eine Route für das Herz als Organ, für den Körper zur Fitness, für den Geist und für das Herz als Ort der Seele oder des Gemüts? Die Suste zum Beispiel eignet sich auch bestens als origineller Ausstellungsraum für private und öffentliche Zwecke. Ein Spaziergang zum malerischen Befestigungswerk lohnt sich allemal! Vielleicht ist die aktuelle Beleuchtung gerade Balsam für die Seele, Heimatgeschichte angesagt, eine Smaragdeidechse oder eine Gottesanbeterin im Moment ebenfalls unterwegs entlang der Landmauer, die Wiesen in vollen Blüten und Düften... Möchte man über die Gewohnheiten des Alltags hinausgehoben werden, die Phantasie beflügeln, Schauen und Lauschen zur Einheit verschmelzen lassen, sucht man nach Quellen für Ideen, hat Lust im Gras zu liegen, den Grillen zu lauschen, zu träumen... oder...?